Warum ich darüber schreibe? Weil Reisen auch das ist: die eigene Sexualität entdecken. Du bist freier, Du bist offener. Und Du wirst Dinge lernen, die den Rest Deines Lebens bestimmen werden.

Enrique und ich sind uns am Ende dieses Barbesuchs, es ist mittlerweile ein Uhr nachts, einig: Es wird viel zu wenig aufgeklärt über Sex und wie er wirklich funktioniert, was man erwarten darf, was geben, was nehmen. Die Antwort lautet: Ein Menge.

Ich erzähle ihm von einer Freundin, mit der ich mich nie über Sex unterhalten habe. Jahrelang. Bis sie das Land verließ hat, um für eine Weile im Ausland zu leben. „Als ich ein ein halbes Jahr später mal mit ihr telefonierte, habe ich sie kaum wieder erkannt“, sage ich. „Sie lachte viel mehr und war wahnsinnig fröhlich. Plötzlich kicherte sie durch die Leitung: „Ich rate jeder Frau, wenigstens einmal in ihrem Leben mit einem Schwarzen zu schlafen. Es stimmt, was man über sie und ihr bestes Stück sagt. Oh Gott, es war so gut!“

„Siehst Du“, sagt Ernique. Sie hatte Sex und Du hast sofort gesehen, wie gut ihr das getan hat. Frauen brauchen das genauso so sehr wie wir Männer. Wusstest Du, dass man früher, so um 1900 herum, Dildos benutzt hat, um hysterische Frauen zu behandeln? Man hat ihnen zu einem Orgasmus verholfen und sie so glücklich gemacht. Der Dildo geht also mehr oder weniger auf Freud zurück. Was die Psychologen damals untereinander Sex hatten – da ging es ganz schön ab. Sie wussten: Wir brauchen das für unser Wohlbefinden.“
Mir fällt dieser Satz ein, den einmal eine Filmemacherin bei einer Podiumsdiskussion gesagt hat: „Unsere Gesellschaft ist oversexed (Werbung, Filme) und underfucked (Realität) zugleich.“

Wie auch immer. Ich betrachte Enrique, wie er hier im L´escaliers in Montréal in seiner organefarbenen Allwetterjacke sitzt. Er ist sicher nicht der Typ testosterongesteuerter Macho. Er ist 32, ist seit anderthalb Jahren verheiratet und scheint leicht und unbeschwert durchs Leben zu gehen wie ein Kind. Er erinnert tatsächlich an einen kleinen Jungen: Er hat ein freundliches offenes Gesicht, strahlende warme braune Augen, Lachfältchen. Er ist attraktiv – aber eventuell auch ein wenig zu klein, um jeder Frau aufzufallen. Muss er ja auch gar nicht mehr, er hat ja schon eine gefunden.

Das war vor ein paar Jahren noch anders. Da lebte er noch in seiner Heimat in Südamerika und tat sich schwer mit den Mädels. Eine nahm über ein Jahr lang seine Geschenke und Kinoeinladungen an, ohne ihm dabei auch nur einen Kuss zu geben. Bei vielen hatte er keine Chance, weil sie auf den Typ Mann stehen, der mit Goldkettchen und weit geöffnetem Hemd herumläuft.

Sexorgie in Rumänien

Gerade hat Enrique die beiden Studentinnen neben uns am Tisch angesprochen und wir haben uns mindestens eine halbe Stunde lang mit ihnen unterhalten. Immer wieder in den letzten Tagen ist mir aufgefallen, wie leicht er mit Menschen in Kontakt kommt. Ich bin erstaunt, als er mir nun beichtet: „Weißt Du wie viel Energie mich das kostet? Ich muss mich extrem überwinden, jemanden anzusprechen. Ich habe das zehn Jahre lang trainiert und es fällt mir immer noch schwer.“  

Auf dem Weg hin zu dieser Meisterleistung dürfte ihm auch eine Reise durch Rumänien geholfen haben: „Schau mal hier, siehst Du das?“ Er zeigt mir auf seinem Smartphone ein Foto, dass ihn dabei zeigt, wie er mit vier Mädchen auf einer Wiese liegt. „Ich weiß auch nicht, warum die dort so heißblütig sind“, meint er. Dann beschreibt er das, was wohl für Männer der Himmel auf Erden sein muss: Orgien mit mehreren Frauen gleichzeitig und seinem Rekord: „Drei Tage hintereinander lang Sex!“ Rumänien hat ihm offensichtlich gut getan.

Früher in seiner Heimat hat Enrique über Couchsurfing viele Backpacker gehostet – Frauen und Männer. „Ich war depressiv, meine Freundin hatte mich gerade verlassen, ich war allein. Ich hab jedem zugesagt – es waren hunderte!“ Seine Erfahrung: Eine von zwanzig weiblichen Gästen würde etwas mit ihm anfangen. „Einmal hat sich eine über meine Couch beschwert: Sie sei ihr zu unbequem, sagte sie. Ich habe ihr angeboten, zu tauschen, doch sie sagte, ich könne ruhig dableiben, es sei ja genug Platz, in meinem Bett. Am nächsten Morgen wachte ich davon auf, dass sie mir einen Blowjob gab. Oh, ich sage Dir, das ist das Beste. Willst Du einen Mann wirklich glücklich machen, weck´ ihn damit auf!“

Und dann kommt die nächste Offenbarung: „Wusstest Du übrigens, dass der G-Punkt beim Mann in der Nähe der Prostata liegt? Ziemlich weit hinten, also? Unser englisch ist gut genug, um über all das ziemlich flüssig zu reden. Was durch Worte nicht verständlich wird, oder was wir dann doch nicht aussprechen wollen, erklären wir durch Gesten. Aber nun habe ich ein Verständnisproblem, komme nicht weiter, ringe nach Worten: „Du meinst, ein Mann muss schwul sein, damit jemand… da rankommt?
„Genau, oder die Frau macht das mit dem Finger.“
„Oh“, sage ich.

Enrique beobachtet die Pärchen und Singles um uns herum. „Ich verstehe nicht, wie sie es schaffen, diese Kandier, aber sie können sich den ganzen Abend mit einer schönen Frauen unterhalten, ohne auch nur im geringsten mit ihr zu flirten.“ „Kenne ich“, sage ich. „Ist in Deutschland nicht anders. Es gibt Komiker bei uns, die machen sich schon drüber lustig.“

„Du musst unbedingt in mein Land fahren“, sagt Enrique. „Dort würden Dich mindestens vier Männer an einem einzigen Abend ansprechen.“ Seine Frau könnte wohl ein Lied davon singen. Die Kanadierin ist nach Südamerika gereist und war kurze Zeit später verheiratet – mit Enrique. Die beiden haben sich übrigens über Couchsurfing kennen gelernt.

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