Auf der Überfahrt habe ich den Kapitän nach Eisbergen gefragt. Ich wollte unbedingt welche sehen. „Die gibt es um diese Jahreszeit tatsächlich, aber wir fahren einen Umweg, um ihnen auszweichen. Du erinnerst Dich sicher, was mit der Titanic passiert ist.“ Sicher. Wer nicht?

Und ein paar Tage später erreichen wir den Friedhof der Titanic. Halifax. Als der Luxusliner 1912 sank, verständigte die White Star Line, die Hafenbehörde der Stadt. Halifax spielt aufgrund seiner Position bis heute eine wichtige strategische Rolle und auch damals waren es Seemänner aus der Provinzhauptstadt, die zur Hilfe eilten: Auf so genannten cable boats stachen sie in See – auf Schiffen, von denen aus man seinerzeit Telefonleitungen im Atlantik versenkte, die Amerika mit Europa verbanden. Zwei Tage später kamen sie an der Unfallstelle an und bargen die Überlebenden und Toten. Bis heute sind viele der Leichen in Halifax begraben. Das Maritime Museum (freier Eintritt, Dienstag, 17-20 Uhr, Stand: 2019) widmet diesem Kapitel der Stadt eine Dauerausstellung.

Die große Explosion von Halifax

Eine andere Ausstellung widmet es einer Tragödie, die die Stadt noch viel unmittelbarer betraf. Hatte 1912 das Titanic-Desaster Halifax aufgewühlt, knallte es 1917 schon wieder – diesmal mitten im Hafen. Noch weit mehr Menschen kamen diesmal ums Leben. Was war passiert? Zwei Schiffe waren zusammengestoßen. Eines von ihnen, es war ja der erste Weltkrieg, war beladen mit Munition. Funken flogen, Feuer brach aus, es gab eine Explosion, ganze Straßenzüge verschwanden von der Karte. Heute zeugt vor allem der Stadtteil Hydrostone davon, dessen Architektur signifikant von der anderer Viertel abweicht: Hier stehen graue kleine Steinhäuser mit roten Fensterrahmen.

Damals jedenfalls war für einige Sekunden kein Wasser mehr im Hafenbecken, weil es als Tsunami in den Straßenzügen wütete. Den Anker eines der beiden Schiffe fand man später zehn Meilen weiter weg. Bis Hiroshima galt diese Explosion als die größte von Menschen verursachte der Welt.

Eine zweite Welle der Zerstörung hat die Stadt später durch zahlreiche Bauherren heimgesucht: Unzählige Häuser der ersten Siedler in Halifax Downtown gibt es nicht mehr. Sie sind uninspirierten Betonblöcken gewichen.

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