Bis zu 10.000 Dollar geben manche Kanadier für der Weihnachtsschmuck ihrer Anwesen aus. Davon profitieren spezielle Dekofirmen, während sich vor den Häusern Autoschlangen bilden.

Leuchtende Schlitten, Rentiere, Sterne, Santa Claus – in Ontarios Vorgärten wachsen zur Weihnachtszeit die Glitzerornamente aus der Erde wie im Sommer die Blumen. „Am Wochenende bilden sich in manchen Straßen Staus deswegen“, erzählen die Anwohner.

Dabei gilt: Je opulenter das Anwesen desto opulenter der Weihnachtsschmuck. In manchen Tannen hinter hohen Mauern hängen noch in den obersten Ästen Deko-Geschenke. Leuchtbordüren, einmal um den Sims getackert, verzieren zweistöckige Villen – manchmal in allen Farben des Regenbogens, manchmal in warmem Gelb.

Die Festtagszierde seines Hauses lässt sich mancher Kanadier etwas kosten. Bis zu 10.000 Dollar gäben die Kunden dafür aus, heißt es bei Garlatti Landscaping. Die Landschaftsgärtnerei ist eines von mehreren Unternehmen, das seit einigen Jahren Privathaushalten einen professionellen Dekoservice anbietet. „Im Winter, wenn es weniger zu tun gibt, können wir auf diese Weise unsere Mitarbeiter beschäftigen“, sagt Ryan Rainville. Er ist Manager des Unternehmens Skedaddle, das im Sommer Schädlingsbekämpfung betreibt. Ryan, der an der Business School in Östrich-Winkel studiert hat, nimmt es mit einem stolzen Lächeln auf, wenn er hört, dass solch opulente Dekorationen in deutschen Privatgärten fast undenkbar seien. „Es ist definitiv Luxus, sich den Service zu leisten“, gibt er zu. Viele Kunden riefen nicht mehr an, wenn sie den Einstiegspreis von 1.000 Dollar hörten. „Viele hängen ihre Lichterketten nach wie vor selber auf.“ Im vergangenen Jahr zählte Skedaddle rund 150 Privatkunden, die sich das Haus von Profis verzieren ließen. „Dass es nicht mehr sind, ist auch gut so“, findet der 34-Jährige. Denn im Grunde blieben ihm und seinem Team nur Oktober bis Anfang Dezember für den Service.  

Schiefe Weihnachtsbäume, verhedderte Lichterketten, das stundenlange Suchen nach der einen losen Birne. Diese Sorgen und größere, wie etwa, vom Dach zu fallen, nehmen die Profis den Kunden ab. Die Mitarbeiter der Firmen sind geschult, so dass sie sich auf Leitern und Dächern halten können. Damit kein Chaos entsteht, gehen sie systematisch vor: Sie messen die Haus- und Gartenflächen aus, bestellen alles passend und falls sie einen meterhohen Weihnachtsbaum schmücken sollen, rücken sie mit der Hebebühne an. Bis zum Weihnachtsfest kommen sie noch mindestens einmal vorbei, um zu schauen, dass alles funktioniert. Wenn die Teams dann im Januar Lichter, Girlanden und Kränze wieder abnehmen, wickeln sie alles akurat auf und verpacken es sauber in Kartons. „Wir lagern die Sachen ein und hoffen, dass uns die Kunden im nächsten Jahr wieder buchen“, sagt Ryan. Er wirkt zufrieden: 70 Prozent riefen wieder an.

Neu als Kundin ist dagegen Bonnie Melcolm. Die Unternehmerin hat sich erst recht spät dazu entschieden, in diesem Jahr Skedaddle zu beauftragen. Früher habe ihr Mann die Deko angebracht, danach sie, aber in diesem Jahr habe sie keine rechte Lust gehabt. „Im Grunde hat mich meine Tochter überredet, den Service anzurufen“, erzählt sie. „Spätestens, wenn zu Heiligabend meine Kinder und die elf Enkel kommen, sollte das Haus ja festlich aussehen.“ Vier Stunden nach dem Eintreffen von Ryans Mitarbeitern strahlen vor den Säulen am Eingang Leuchtgirlanden, während im Hintergrund der Ontariasee in der Mittagssonne glitzert. 1.500 Dollar zahle sie für den Service, erzählt Bonnie. Sie ist nicht nur zum ersten Mal Kundin von Skedaddle, sondern auch eine der letzen in diesem Jahr. Weihnachten steht kurz vor der Tür.

Sein eigenes Haus hat Ryan derweil noch nicht geschmückt. „Nach all den Wochen werde ich der Deko langsam überdrüssig“, gibt er zu. „Aber wenn meine Frau darauf besteht, muss ich privat noch mal ran.“

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